Nachlese: Waldbau-Exkursion in St. Georgen am Walde

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Bei typisch wechselhaftem Aprilwetter mit Schnee, Regen und nur wenig Sonne trafen sich am 10. April zahlreiche interessierte Waldbesitzer:innen beim Hof von Land- und Forstwirtschaftsmeister Paul Palmetshofer in St. Georgen am Walde. Nach einer ersten Kennenlernrunde und der Begrüßung durch KLAR! Managerin Susanne Moser sowie Gastgeber Paul Palmetshofer ging es direkt dorthin, wo Waldwissen am besten vermittelt werden kann: in den Wald selbst.

Schon der erste Stopp zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Licht für die Entwicklung eines stabilen und vielfältigen Waldes ist. In einem lichten Bestand mit natürlicher Verjüngung wurde sichtbar, wie sich auf wenigen Quadratmetern durch ausreichenden Lichteinfall ganz unterschiedliche Baumarten entwickeln können. Zwischen Buchen, Ahorn, Fichten und einzelnen Tannen wurde deutlich, welches Potenzial in einer naturnahen Waldentwicklung steckt.

Wenige Schritte weiter bot sich ein ganz anderes Bild: ein rund 90-jähriger Fichtenbestand. Dort wurden die Teilnehmer:innen gleich selbst aktiv und machten erste Messungen mit Kluppe und Durchmessermaßband. So wurde Theorie unmittelbar mit der Praxis verbunden. Paul Palmetshofer erklärte anschaulich, wie Bestände beurteilt werden können und warum ein genauer Blick auf Wuchsleistung, Stabilität und Standort so entscheidend ist.

Besonders spannend war der dritte Stopp bei einem Versuch mit Thuja, einer ursprünglich aus Nordamerika stammenden Baumart. Viele Teilnehmer:innen waren überrascht, diese Baumart überhaupt in einem Waldbestand zu sehen. Auffällig war auch, dass es unter den Bäumen nicht in der gewohnten Weise „knackst“ wie sonst im Wald. Grund dafür sind die besonderen Inhaltsstoffe des Holzes, die den Abbau durch Mikroorganismen verlangsamen. Auch das Wild meidet die jungen Triebe weitgehend, wodurch sich dieser Versuch bereits nach wenigen Jahrzehnten sehr erfolgreich entwickelt hat.

Beim nächsten Halt stand mit der Douglasie eine weitere Baumart im Mittelpunkt. Diese Bestände sind nur etwa halb so alt wie der Fichtenbestand vom Beginn der Exkursion, weisen aber bereits einen ähnlich starken Stammumfang auf. An diesem Beispiel unterstrich Paul Palmetshofer eindrucksvoll die hohe Wuchsleistung dieser Baumart und machte zugleich deutlich, dass die Wahl der Baumarten immer mit Bedacht und passend zum jeweiligen Standort erfolgen muss.

Im Laufe der Exkursion wurden zahlreiche wichtige Zusammenhänge für die Bewirtschaftung klimafitter Wälder angesprochen: etwa Möglichkeiten gegen Übersäuerung durch den Unterbau von Buchen, die Bedeutung von ausreichendem Lichteinfall für eine gute Bodenbedeckung und damit für die Wasserverfügbarkeit, sowie die Notwendigkeit einer angepassten und vorausschauenden Bewirtschaftung. Ein zentraler Gedanke zog sich durch den ganzen Nachmittag: Ein Wald ist nur dann gesund, wenn auch der Waldboden grün, locker und vielfältig ist.

Ein weiterer Stopp führte zu einem Versuch mit einer besonderen Tannenart, der Schierlingstanne oder Hemlocktanne (Tsuga canadensis). In der anschließenden Diskussion wurde auch die Rolle von Nadelholz als wichtiges wirtschaftliches Standbein thematisiert. Gleichzeitig betonte Paul Palmetshofer, wie wichtig es ist, sich im Waldbau möglichst breit aufzustellen, um Risiken besser abzufedern und Schädlingen weniger Angriffsfläche zu bieten. Gerade die aktuellen Klimaentwicklungen mit längeren Trockenperioden und oft zu geringer Feuchte im Winter setzen feuchteliebenden Baumarten wie der Fichte zunehmend zu. Durch genügend Laubstreu, Bodendecker und Sträucher am Waldrand und im Wald, welche als Windbremse wirken, kann das Wasser im Waldboden gehalten werden und auch die kommenden Trockenperioden besser überbrücken.

Passend dazu zeigte der nächste Stopp einen vielfältigen Tannen-Mischwald mit heimischer Weißtanne (Abies alba), Hemlocktanne (Tsuga canadensis), Küstentanne (Abies grandis) und Douglasie (Pseudotsuga menziesii), immer in Kombination mit Fichte, Buche und Ahorn. An diesem Beispiel wurde besonders greifbar, wie durch Mischung, Vielfalt und passende Baumartenwahl stabile Wälder für die Zukunft entstehen können.

Kurz vor dem Ende der Exkursion wurde nochmals nachdrücklich auf die enorme Bedeutung einer bodenschonenden Holzernte hingewiesen. Denn die Maschine ist nur so gut wie ihr Auftraggeber. Gerade bei der Holzernte darf nicht auf Zeitdruck oder kurzfristige Kostenersparnis gesetzt werden – weder aus wirtschaftlicher Sicht noch im Hinblick auf die Sicherheit. Schäden am Boden wirken lange nach, und Zeitdruck zählt nach wie vor zu den häufigsten Ursachen für Unfälle im Wald.

Auch auf den letzten Stationen blieb die Exkursion ganz in der Praxis verankert. Sichtbar wurden unter anderem eine bewährte Form des Baumschutzes mit blauer Farbe, die Tannenreisigproduktion als zusätzliches wirtschaftliches Standbein des Betriebes sowie besonders schöne Einzelbäume, die sich für die Einzelstammentnahme und für hochwertige Furnier- oder Teilfurnierhölzer eignen. Damit wurde einmal mehr deutlich, wie breit das Spektrum einer durchdachten Waldbewirtschaftung ist – von Schutzmaßnahmen über zusätzliche Nutzungen bis hin zur gezielten Förderung von Qualitätsbäumen.

Nach rund drei Stunden im eindrucksvollen Wald von Land- und Forstwirtschaftsmeister Paul Palmetshofer kehrte die Gruppe schließlich zur wohlverdienten Jause beim benachbarten Hof ein. Dort wurde in gemütlicher Runde noch ausführlich weiterdiskutiert, Erfahrungen wurden ausgetauscht und offene Fragen vertieft.

Wir bedanken uns sehr herzlich für die interessierte Teilnahme an der Exkursion. Ein ganz besonderer Dank gilt Paul Palmetshofer, der nicht nur seinen Wald, sondern auch seinen großen Wissens- und Erfahrungsschatz mit uns geteilt hat. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.