Vergangenen Mittwoch-Nachmittag, am 11. März 2026, versammelten sich zahlreiche Garteninteressierte im Gasthaus zur Post in Weitersfelden. Sie alle erwarteten voller Vorfreude den Vortrag „Naturgarten – Der sanfte Weg zum Gartenglück“ von DI Werner Gamerith. Neben Teilnehmer:innen aus vergangenen Veranstaltungen und Workshops der KLAR! Mühlviertler Alm durften auch viele neue Gesichter begrüßt werden.
Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung in die Arbeit der KLAR! Mühlviertler Alm durch die Modellregionsmanagerin startete der Bildervortrag des renommierten Naturfotografen und leidenschaftlichen Gärtners Dipl.-Ing. Werner Gamerith. Mit beeindruckenden Aufnahmen aus seinen eigenen Naturgärten führte er die Besucher:innen in die faszinierende Welt eines lebendigen Gartens.
Anhand seiner Bildfolge zeigte Gamerith eindrucksvoll, wie vielfältig der Lebensraum Garten sein kann. Entscheidend dafür sind abwechslungsreiche Strukturen, unterschiedliche Blühzeiten und eine große Pflanzenvielfalt. Besonders betonte er die Bedeutung der Blütenbiologie – etwa mit Blick auf Bienen, die er liebevoll als unsere „kleinsten Haustiere“ bezeichnete. Je vielfältiger ein Garten gestaltet ist, desto mehr spezialisierte Tierarten finden darin einen geeigneten Lebensraum.
Auch scheinbar einfache Elemente tragen viel zur Biodiversität bei: Totholz, unterschiedliche Höhenstrukturen oder naturnahe Bereiche bieten vielen Arten wertvolle Rückzugsorte. Gamerith plädierte dabei für eine bewusst rückenschonende und arbeitsextensive Gartenpflege – ein Ansatz, der nicht nur die eigenen Kräfte schont, sondern gleichzeitig die Artenvielfalt fördert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Wahl heimischer Pflanzenarten. So empfahl Gamerith beispielsweise den Wasserdost als attraktive und bienenfreundliche Alternative zum Sommerflieder oder den Gelben Hartriegel (Dirndl, Kornelkirsche) als frühe und wertvolle Blühpflanze anstelle der häufig gepflanzten Forsythie. Jede heimische Pflanze erfüllt im Naturgarten eine wichtige Funktion – für viele Tierarten ist sie über Generationen hinweg eine unverzichtbare, manchaml auch die einzige Nahrungsquelle.
NATURSCHWIMMTEICH ALS LEBENDIGES ÖKOSYSTEM
Dipl.-Ing. Gamerith war außerdem einer der frühen Pioniere naturnaher Schwimmteiche. In seinem sogenannten Wassergarten zeigt sich eindrucksvoll, wie ein funktionierendes Ökosystem auch im Garten umgesetzt werden kann. Der Teich ist in zwei Bereiche gegliedert: einen Schwimmbereich und einen Pflanzenbereich, die durch eine Mauer voneinander getrennt sind. Diese bleibt jedoch unter der Wasseroberfläche, sodass der Wasserkörper miteinander verbunden bleibt und zirkulieren kann. Die Pflanzen übernehmen dabei die natürliche Reinigung des Wassers, während zahlreiche Wasserlebewesen – häufig räuberische Arten – dafür sorgen, dass Gelsen- und Mückenlarven reguliert werden.
Besonders bemerkenswert: Der Teich wurde nur einmal befüllt und wird seither ausschließlich durch Regenwasser gespeist – einerseits über die Ableitung der Dachwässer, andererseits durch direkten Niederschlag. Das spart nicht nur Ressourcen, sonder schont auch den eigenen Geldbeutel.
HARMONIE ZWISCHEN ÄSTHETIK UND NUTZEN
Ein zentrales Anliegen des Vortragenden war die Balance zwischen Ästhetik und Nutzen im Naturgarten. Ein Garten soll nicht nur schön aussehen, sondern auch ökologisch funktionieren. So plädierte Gamerith dafür, den Garten im Herbst nicht vollständig „aufzuräumen“. Verblühte Blütenstände, Gräser oder Schilfhalme entfalten im Morgentau oder im Winter mit Schnee einen ganz eigenen ästhetischen Reiz. Gleichzeitig bieten sie wichtigen Unterschlupf für Insekten und werden im Frühjahr zur natürlichen Nährstoffquelle für die nächste Pflanzengeneration. Aus der schützenden Streuschicht treiben Stauden, Blumen und Gräser rasch wieder aus und sorgen bald für neues, kräftiges Grün.
Besonders hob Gamerith auch die Angepasstheit alter heimischer Pflanzensorten hervor. Diese sind meist robuster gegenüber Krankheiten und Schädlingen, da sie sich über lange Zeiträume hinweg an die regionalen Bedingungen angepasst haben.
VORSICHT BEI INVASIVEN NEOPHYTEN
Zum Abschluss ging der Referent auch auf das Thema invasive Neophyten ein. Als Neophyten bezeichnet man Pflanzenarten, die nach der Entdeckung Amerikas (ab etwa 1492) durch menschlichen Einfluss in neue Regionen gelangt sind. Während viele dieser Pflanzen unproblematisch sind, können sogenannte invasive Neophyten heimische Arten verdrängen.
Früher wurden manche dieser Pflanzen leichtsinnig eingesetzt, da sie durch üppige Blütenpracht und vermeintlich zusätzliche Nahrungsquellen für Insekten attraktiv erschienen. Mit der Zeit zeigte sich jedoch, dass einige Arten dichte Reinbestände bilden, andere Pflanzen verdrängen und für heimische, oft hoch spezialisierte Tiere und Insekten kaum Nutzen haben. Gamerith warnte daher eindringlich vor einem unkritischen Einsatz solcher Arten. Mittlerweile gibt es europäische Listen verbotener Pflanzen, die als Orientierung dienen können. Da dieses Thema bei vielen Gärtner:innen für Unsicherheit sorgt, plant auch die KLAR! Mühlviertler Alm, sich künftig vertiefend damit auseinanderzusetzen – weitere Informationen dazu werden folgen.
MIT DER NATUR ARBEITEN – NICHT GEGEN SIE
Zum Abschluss seines Vortrags richtete der Naturgärtner und diplomierte Kulturtechniker einen eindringlichen Appell an das Publikum: Bei allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungen müsse der Faktor Natur und Umwelt stärker berücksichtigt werden. Die noch vorhandenen Natur- und Kulturlandschaften gelte es zu schützen und zu erhalten. Biodiversität sei dabei von zentraler Bedeutung.
Oder wie Gamerith es formulierte:
„Wir tun uns selbst etwas Gutes, wenn wir mit der Natur arbeiten – und nicht gegen sie.“
Der Vortrag bot den Besucher:innen zahlreiche Inspirationen und praktische Anregungen für die Gestaltung eines naturnahen Gartens – ganz im Sinne des sanften Wegs zum Gartenglück.
Wir bedanken uns herzlich bei DI Werner Gamerith für den inspirierenden Vortrag sowie bei den zahlreichen Besucher:innen, die auch in der anschließenden offenen Diskussion viele Fragen, Gedanken und Anregungen einbrachten. Der lebendige Austausch zeigte einmal mehr das große Interesse an naturnahen Gärten und praktischen Lösungen für mehr Biodiversität im eigenen Garten.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen bei der nächsten KLAR! Veranstaltung der Workshopreihe „Klimafitter Garten“ am 1. Mai 2026 im Otelo Weitersfelden! 🌱



