Invasive Neophyten – das sind Pflanzenarten, die nach 1492 durch den Menschen in unsere Regionen gelangt sind und sich hier stark ausbreiten. Einige dieser Arten verdrängen heimische Pflanzen, verändern Lebensräume und können insbesondere entlang von Gewässern ökologische Probleme verursachen. Zu diesen Arten zählt auch das Drüsige Springkraut, das sich an Bach- und Flussufern rasch ausbreitet und heimische Ufervegetation verdrängt. Stirbt die Pflanze im Herbst ab, bleiben oft unbewachsene Ufer zurück, die anfälliger für Erosion sind.
Warum beschäftigt sich die KLAR! Mühlviertler Alm mit diesem Thema?
Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung vieler invasiver Pflanzenarten. Längere Vegetationsperioden, häufigere Extremwetterereignisse und veränderte Standortbedingungen schaffen günstige Voraussetzungen für ihre Verbreitung. Gleichzeitig sind naturnahe und stabile Gewässer wichtige Verbündete bei der Klimawandelanpassung – sie fördern die Biodiversität, schützen vor Erosion und tragen zur Kühlung der Landschaft bei.
Aus diesem Grund hat die KLAR! Mühlviertler Alm gemeinsam mit dem Büro Blattfisch und dem Naturpark Mühlviertel das Projekt „Vegetation im Wandel“ gestartet. Ziel ist es, das Vorkommen invasiver Neophyten entlang von Gewässern besser zu verstehen, ihre Auswirkungen auf Gewässerökologie und Uferbereiche zu bewerten und darauf aufbauend geeignete Maßnahmen für ein langfristiges Monitoring und Management zu entwickeln.
Erste Schritte entlang der Kleinen Naarn
Als Pilotgebiet wurde die Kleine Naarn ausgewählt. Nach einer ersten gemeinsamen Gewässerbegehung folgten bereits drei weitere Termine, bei denen das Vorkommen des Drüsigen Springkrauts systematisch erfasst und gleichzeitig erste Entfernungsaktionen durchgeführt wurden.
Die bisherigen Erhebungen ermöglichen bereits eine gute Einschätzung, in welchen Gewässerabschnitten sich die Art etabliert hat und wie weit sie sich flussaufwärts beziehungsweise flussabwärts ausgebreitet hat. Besonders erfreulich ist die derzeitige Annahme, dass das Drüsige Springkraut das Renaturierungsprojekt Tannermoor bislang noch nicht erreicht hat. Um diese Vermutung fachlich abzusichern, sind weitere Begehungen gemeinsam mit Expert:innen geplant.
Gemeinsam Lösungen entwickeln
Neben der Kartierung und Eindämmung beschäftigt sich das Projekt auch mit einer wichtigen praktischen Frage: Wie können entfernte invasive Pflanzen fachgerecht entsorgt oder sogar sinnvoll verwertet werden? Derzeit werden unterschiedliche Möglichkeiten geprüft, um nachhaltige Lösungen für den Umgang mit dem anfallenden Pflanzenmaterial zu entwickeln.
Einen weiteren Ansatzpunkt bietet die aktuelle Projektschmiede der Mühlviertler Alm. Auch hier bringt sich die KLAR!-Managerin mit ihrem Fachwissen, bestehenden Kontakten und Unterstützungsmöglichkeiten ein. Besonders passend ist, dass sich bereits ein Projektgeber seit rund zwei Jahren aktiv mit der Entfernung des Drüsigen Springkrauts beschäftigt und dafür weitere Mitstreiter:innen und Projektpartner:innen sucht.
Damit treffen praktisches Engagement aus der Bevölkerung und die fachliche Begleitung durch die KLAR! direkt aufeinander. Die KLAR!-Managerin freut sich darauf, das Vorhaben im Rahmen der Projektschmiede weiter zu begleiten, Erfahrungen aus dem Projekt „Vegetation im Wandel“ einzubringen und gemeinsam mit weiteren Akteur:innen tragfähige Lösungen für die Region zu entwickeln.
Mit „Vegetation im Wandel“ entsteht damit die Grundlage für ein langfristiges Neophyten-Monitoring in der Mühlviertler Alm. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Zusammenarbeit regionaler Akteur:innen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Gewässer und zur Anpassung der Region an die Folgen des Klimawandels. Die Verbindung mit der Projektschmiede zeigt dabei besonders gut, wie fachliches Wissen, regionales Engagement und konkrete Projektideen zusammenkommen können. Gemeinsam können wir dazu beitragen, wertvolle Lebensräume entlang unserer Bäche und Flüsse langfristig zu erhalten.
Zusätzlich gibt es zum Thema bereits eine eigene Ausgabe der Radiosendung „Energiegeladen“: In „Biodiversität im Gespräch: Invasive Neophyten“ sprechen die KLAR!-Managerin der Mühlviertler Alm und Dr. Reinthaler vom Biodiversitätszentrum Linz darüber, wie invasive Pflanzenarten entstehen und sich ausbreiten, welche Auswirkungen sie auf Biodiversität, Umwelt und Gesellschaft haben und welche Möglichkeiten es zur frühzeitigen Erkennung und Eindämmung gibt.
Der Beitrag ergänzt das Projekt „Vegetation im Wandel“ damit um eine fachliche Perspektive und zeigt zugleich, welchen Beitrag Gemeinden, regionale Akteur:innen und auch jede und jeder Einzelne zum Schutz heimischer Ökosysteme leisten können.
Radiosendung „Biodiversität im Gespräch: Invasive Neophyten“ hier nachhören