Wenn die Gartensaison langsam zu Ende geht, stehen viele Arbeiten an: Empfindliche Pflanzen werden winterfest gemacht, Wasserleitungen und Außenwasserhähne vor Frost geschützt, Beete aufgeräumt und Futterstellen für Vögel vorbereitet. Auch Nisthilfen und andere Rückzugsorte für Wildtiere können jetzt überprüft werden. Bei all diesen Herbstarbeiten lohnt es sich, einen genauen Blick auf die Pflanzen im Garten zu werfen.
Denn die Einwinterung ist auch eine gute Gelegenheit, invasive Neophyten zu erkennen und ihre weitere Ausbreitung zu verhindern. Damit sind gebietsfremde Pflanzen gemeint, die sich stark vermehren und heimische Arten oder natürliche Lebensräume beeinträchtigen können. Dazu zählen im Mühlviertel unter anderem das Drüsige Springkraut, die Vielblättrige Lupinie und der Japanische Staudenknöterich.



Wer beim Zurückschneiden, Ausräumen und Vorbereiten des Gartens auf solche Pflanzen stößt, kann mit dem richtigen Umgang viel bewirken. Wichtig ist vor allem, Samen und Pflanzenteile nicht unbedacht zu verbreiten und die Pflanzenreste passend zur jeweiligen Art zu behandeln.
Invasive Pflanzen erkennen – die App ObsIdentify hilft dabei
Nicht jede gebietsfremde Pflanze ist problematisch. Manche Arten breiten sich jedoch besonders stark aus und können heimische Lebensräume beeinträchtigen. Eine praktische Unterstützung bei der Bestimmung bietet die kostenlose Naturbestimmungs-App ObsIdentify. Mit ihr lassen sich Pflanzen anhand von Fotos bestimmen. Die vorgeschlagenen Ergebnisse dienen als erste Orientierung und sollten bei Unsicherheit fachlich überprüft werden.
Das Drüsige Springkraut lässt sich beispielsweise an folgenden Merkmalen erkennen:
- Es kann bis zu 2,5 Meter hoch werden.
- Die Blüten sind meist rosa bis purpurfarben.
- Die Blätter sind groß und deutlich gezähnt.
- Die Pflanze blüht ungefähr von Juni bis September.
- Die reifen Samenkapseln springen bei Berührung auf und schleudern ihre Samen mehrere Meter weit.
Was tun, wenn invasive Pflanzen im Garten wachsen?
Entscheidend ist, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und die passende Methode an. Nicht jede Pflanze lässt sich gleich behandeln.
1. Frühzeitig und mit der richtigen Methode entfernen
Beim Drüsigen Springkraut ist es besonders wichtig, die Pflanzen möglichst vor der Samenreife zu entfernen. Kleine Bestände können mitsamt den Wurzeln ausgerissen werden. Bei größeren Flächen kann wiederholtes Mähen sinnvoll sein. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Pflanzen nicht bereits reife Samen gebildet haben. Eine einmalige Maßnahme reicht häufig nicht aus – regelmäßige Kontrollen sind wichtig, damit neu aufkommende Pflanzen rechtzeitig entdeckt werden.
Wer Pflanzen mit bereits entwickelten Samenkapseln entdeckt, sollte besonders vorsichtig vorgehen: Die Kapseln können schon bei leichter Berührung aufspringen und Samen verteilen. In diesem Fall ist eine sorgfältige Handhabung besonders wichtig.
2. Pflanzenreste richtig behandeln und entsorgen
Auch nach dem Entfernen ist Vorsicht geboten. Werden Samen oder geeignete Pflanzenteile verschleppt, können an anderer Stelle neue Bestände entstehen.
- Nicht in der Natur ablagern: Gartenabfälle gehören nicht in angrenzende Wälder, an Bachufer oder auf andere Naturflächen.
- Nicht unbedacht kompostieren: Bei invasiven Pflanzen können Samen oder Pflanzenteile die Entsorgung überstehen. Deshalb sollte vorab geklärt werden, wie das Material fachgerecht entsorgt werden kann.
- Pflanzenmaterial sicher auffangen: Beim Entfernen darauf achten, dass Samen und Pflanzenteile nicht verstreut werden. Eine Plane oder geeignete Säcke können dabei helfen.
- Fachgerecht entsorgen: Welche Entsorgungsmöglichkeit geeignet ist, hängt von der Pflanzenart und dem Zustand des Pflanzenmaterials ab. Im Zweifelsfall hilft die Gemeinde oder die zuständige Abfallberatung weiter.
- Werkzeuge und Material reinigen: Anhaftende Samen oder Pflanzenteile können sonst unbeabsichtigt weitergetragen werden.
Bei blühenden oder bereits fruchtenden Pflanzen sollte die Entfernung besonders sorgfältig erfolgen. Bei größeren Beständen oder Unsicherheit empfiehlt es sich, fachkundige Unterstützung einzuholen.
3. Betroffene Stellen im Blick behalten
Eine erfolgreiche Bekämpfung endet nicht mit dem ersten Entfernen. Gerade bei invasiven Pflanzen können später erneut Keimlinge auftreten. Deshalb lohnt es sich, betroffene Stellen regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf nachzuarbeiten. Auch angrenzende Flächen und mögliche Ausbreitungswege – etwa entlang von Bächen oder Wegen – sollten im Blick bleiben.
Beim Japanischen Staudenknöterich und bei der Vielblättrigen Lupinie gelten teilweise andere Anforderungen als beim Drüsigen Springkraut. Deshalb ist es wichtig, die Pflanzen zuerst sicher zu bestimmen und die passende Vorgehensweise zu wählen, statt alle Arten gleich zu behandeln.
Warum das gerade beim Drüsigen Springkraut wichtig ist
Das Drüsige Springkraut bildet häufig dichte Bestände und kann dadurch heimische Pflanzen verdrängen. Besonders entlang von Fließgewässern, an Waldrändern und auf feuchten Flächen kann es sich stark ausbreiten. Da die einjährige Pflanze im Herbst abstirbt, fehlt anschließend ein Teil der schützenden Vegetation. An Ufern kann dadurch die Gefahr von Bodenerosion steigen.
Die KLAR! Mühlviertler Alm setzt deshalb gemeinsam mit regionalen Partnern auf Beobachtung, Information und gezielte Maßnahmen. Ein Schwerpunkt ist die Kleine Naarn: Ziel ist es, das Drüsige Springkraut dort bis Ende 2028 auf ein Minimum zu reduzieren. Dafür braucht es nicht nur einzelne Entfernungsaktionen, sondern auch regelmäßige Kontrollen und die Unterstützung der Menschen vor Ort.
Gemeinsam gegen invasive Pflanzen: Mitmachen ist erwünscht!
Du möchtest mehr über das Projekt der KLAR! Mühlviertler Alm erfahren oder selbst aktiv werden? Interessierte Personen können sich unter office@energiebezirk.at melden.
Über diese Adresse informieren wir über geplante Informationsvorträge, gemeinsame Begehungen und Entfernungsaktionen. Wer mitmachen möchte, kann sich so einbringen, Pflanzenbestände besser kennenlernen und dabei helfen, heimische Lebensräume zu schützen.
Jeder richtig gesetzte Schritt zählt: Invasive Pflanzen erkennen, ihre Ausbreitung verhindern, Pflanzenreste fachgerecht behandeln und betroffene Stellen im Auge behalten. So können Gartenbesitzer, Grundstückseigentümer und freiwillig Engagierte gemeinsam einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt in der Mühlviertler Alm leisten.
Du bist dir bei einer Pflanze unsicher? Nutze ObsIdentify zur ersten Orientierung und lass die Bestimmung bei Zweifeln fachlich überprüfen. Bei Fragen zum KLAR!-Projekt oder Interesse an einer Mitarbeit hilft das Team unter office@energiebezirk.at gerne weiter.