Unter dem Motto „Stürmische Zeiten: Gewitter, Wind und ihre Auswirkungen“ stand bei der Naturgefahrentagung 2026 in der Ökoregion Kaindorf der Umgang mit zunehmenden Naturgefahren im Mittelpunkt. Neben aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden konkrete Lösungsansätze für Gemeinden, Einsatzorganisationen sowie die Land- und Forstwirtschaft diskutiert.
Eine zentrale Botschaft der Tagung war, dass Naturgefahren nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Vielmehr braucht es ein gemeinsames Verständnis der Zusammenhänge und einen Austausch über Organisations- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Dabei sind Wissensgewinn und Wissenstransfer gleichermaßen wichtig: Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen mit praktischen Erfahrungen verknüpft werden, damit aus Wissen auch konkretes Handeln wird.
Vorsorge bedeutet auch, die Schwächsten mitzudenken
Wie wichtig vorausschauende Anpassungsmaßnahmen sind, zeigen die wirtschaftlichen Auswirkungen extremer Wetterereignisse. Allein die Dürreschäden in Österreich wurden für 2026 von der Österreichischen Hagelversicherung mit rund einer Milliarde Euro beziffert.
Für Gemeinden und Einsatzorganisationen bedeutet Vorsorge, auch auf Ereignisse zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt vorbereitet zu sein. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei vulnerablen Bevölkerungsgruppen, etwa älteren und alleinlebenden Menschen, Bewohner von Pflegeheimen oder Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen. Auch die Erreichbarkeit und Warnung von Menschen mit Hör- oder Sehbeeinträchtigungen muss berücksichtigt werden. Entscheidend ist, diese Personengruppen bereits in die Einsatzvorbereitung einzubinden, um Herausforderungen gemeinsam zu erkennen und geeignete Lösungen zu entwickeln.
Klimafitte Wälder und Landwirtschaft als Teil der Lösung
Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf den Auswirkungen von Gewittern und Stürmen. Insbesondere Windwurf stellt die Forstwirtschaft vor große Herausforderungen. Als wichtige Vorsorgemaßnahme wurde der Umbau zu standortangepassten Mischwäldern mit drei bis fünf Baumarten hervorgehoben. Dabei gilt es, die prognostizierte Klimaentwicklung am jeweiligen Standort zu berücksichtigen, um die Wälder langfristig widerstandsfähiger zu machen.
Auch in der Landwirtschaft braucht es ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen, um Schäden durch Starkregen und Bodenerosion zu reduzieren. Einzelmaßnahmen wie der Queranbau reichen häufig nicht aus. Vielversprechend ist die Kombination aus Schlagteilung, Zwischenfrüchten und weiteren bodenschonenden Bewirtschaftungsformen. Auch Dauerkulturen und Agroforstsysteme können einen wichtigen Beitrag leisten. Im Rahmen der Exkursion am dritten Tag konnten die Teilnehmer praktische Beispiele für klimaangepasste Land- und Forstwirtschaft kennenlernen.
Von der Herausforderung zur Chance
Die Naturgefahrentagung machte deutlich, dass die zunehmenden Klimarisiken nicht nur Herausforderungen mit sich bringen, sondern auch Chancen für eine nachhaltige und widerstandsfähige Entwicklung eröffnen. Neben konsequenter Klimawandelanpassung bleibt der Klimaschutz unverzichtbar, um die weitere Erderwärmung zu begrenzen und langfristig eine Stabilisierung der globalen Temperaturen zu erreichen.
Die Tagung leistete einen wertvollen Beitrag dazu, Wissen zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Denn nur durch Zusammenarbeit über Gemeinde-, Regions- und Ländergrenzen hinweg können wir unsere Regionen und Österreich insgesamt widerstandsfähiger gegenüber Naturgefahren machen.
Ausblick: Naturgefahrentagung 2027 im Bezirk Freistadt
Die nächste Naturgefahrentagung findet 2027 in Oberösterreich im Bezirk Freistadt statt. Damit bietet sich die Gelegenheit, Erfahrungen aus unserer Region einzubringen, den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu vertiefen und gemeinsam neue Impulse für die Naturgefahrenvorsorge zu setzen.
Veranstaltet wurde die Naturgefahrentagung 2026 von der Österreichischen Plattform für Katastrophenrisikominderung (ASDR) gemeinsam mit ihren Veranstaltungspartner:innen GeoSphere Austria, der Ökoregion Kaindorf und der Grazer Wechselseitigen Versicherung.