Nachlese: Boden verstehen – Boden zukunftsfit bewirtschaften

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Das Frühjahr 2026 zeigt bereits sehr deutlich, wohin sich unser Klima entwickelt: wenig Niederschlag, trockene Böden und Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt. Viele Landwirt:innen der Mühlviertler Alm beobachten schon jetzt, dass die Böden früh austrocknen und Wasser immer stärker zum limitierenden Faktor wird. Genau hier setzt der Boden-Stammtisch der KLAR! Mühlviertler Alm an.

Gemeinsam mit den Mühlviertler Alm Bauern lud die KLAR! am Montag, 09. März 2026, zum ersten Austausch rund um das Thema Boden ein. Eingeladen waren die Boden-Multiplikator:innen der Region – Landwirte aus den Gemeinden der Mühlviertler Alm, die vor einigen Jahren im Rahmen eines Leader-Projekts einen Bodenkoffer übernommen haben. Ziel war und ist es, das Thema Bodenfruchtbarkeit und Bodengesundheit in den Ortsbauernschaften weiterzugeben und interessierten Betrieben die Möglichkeit zu geben, ihre Böden selbst zu untersuchen.

Der Bodenkoffer enthält zehn einfache, praxisnahe Teststationen, mit denen Landwirt:innen direkt am Feld wichtige Eigenschaften ihres Bodens überprüfen können – von Struktur und Wasseraufnahme bis zu biologischer Aktivität. Mehr Informationen dazu gibt es unter: https://bodenkoffer.at/

VIELE ANSPRÜCHE AN EINEN BODEN

Als Referent konnte Ing. Norbert Ecker, Mitbegründer des Bodenkoffers und langjähriger Bodenexperte, gewonnen werden. In seinem rund zweistündigen Vortrag machte er gleich zu Beginn deutlich: Die Landwirtschaft ist längst nicht mehr die einzige Anspruchsgruppe an den Boden. Neben der Lebensmittelproduktion erfüllt der Boden heute zahlreiche weitere Funktionen:

  • Wasserspeicher und Wasserschutz
  • CO₂-Speicher im Klimasystem
  • Energielieferant
  • Lebensraum für Bodenorganismen
  • Kulturgut und Grundlage unserer Ernährung

Viele dieser Aufgaben werden letztlich auch an die Landwirtschaft gestellt – denn Landwirt:innen sind jene, die täglich mit dem Boden arbeiten und ihn bewirtschaften. Im Grunde, so Ecker, war die traditionelle Landwirtschaft immer ein Kreislaufsystem: Nährstoffe blieben möglichst am Hof, organische Substanz wurde wieder zurückgeführt und der Boden langfristig aufgebaut. Durch Modernisierung, Spezialisierung und Auslagerung vieler Arbeitsschritte sind Teile dieser Kreisläufe verloren gegangen.

Gleichzeitig verändert sich eine wichtige Grundlage: das Klima.

KLIMAWANDEL STELLT ERFAHRUNGSWISSEN AUF DIE PROBE

Viele Generationen lang konnten sich Landwirt:innen auf überliefertes Erfahrungswissen verlassen. Doch der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen derzeit so rasch, dass manche dieser Erfahrungen nicht mehr zuverlässig gelten.

Auch im Mühlviertel zeigt sich der Wandel deutlich:

  • längere Trockenphasen,
  • intensivere Starkregenereignisse,
  • steigende Temperaturen.

Der zentrale Faktor der kommenden Jahrzehnte wird laut Ecker daher Wasser und seine Verfügbarkeit sein. Solange wir Wasser im Boden halten können, können wir damit arbeiten und davon profitieren. Ein entscheidender Hebel für eine klimaangepasste Landwirtschaft ist daher neben der Bewirtschaftung auch das Betriebsmanagement und der Einsatz digitaler Hilfsmittel, um Standorte besser zu verstehen und Entscheidungen fundierter treffen zu können.

DEN EIGENEN BODEN WIRKLICH KENNEN

Genau hier setzt der Bodenkoffer an. Im zweiten Teil seines Vortrags stellte Norbert Ecker die zehn Stationen des Bodenkoffers nochmals kurz vor. Das wichtigste Werkzeug bleibt dabei überraschend einfach: der Spaten.
Eine einzige Spatenprobe kann bereits sehr viel über den Zustand eines Bodens verraten:

  • Geruch – riecht der Boden frisch und lebendig?
  • Farbe – dunkle Böden enthalten meist mehr Humus (standortspezifisch)
  • Struktur – ist der Boden krümelig und locker, sandig oder verdichtet?

Ziel ist es, den Boden wortwörtlich in die Hand zu nehmen und zu verstehen. Dabei betonte Ecker auch: Nicht jede Methode ist für jeden Standort gleich relevant. Gerade im Mühlviertel mit seinen oft sandig-durchlässigen Böden liefern manche Tests mehr Erkenntnisse als andere. Besonders interessant für unsere Region sind etwa die Trübungsflasche, sie zeigt, wie stabil Bodenaggregate sind und der Versickerungsring, er misst, wie schnell Wasser in den Boden eindringt.

Das übergeordnete Ziel ist immer gleich: stabile Bodenaggregate erhalten.

Denn stabile Krümelstrukturen sorgen dafür, dass der Boden Wasser aufnehmen und speichern kann – eine entscheidende Voraussetzung für trockene Jahre. Ein weiterer wichtiger Zugang ist das Lesen des Standorts über Zeigerpflanzen. Bestimmte Pflanzen zeigen an, welche Eigenschaften ein Boden hat – etwa:

  • Verdichtung
  • Nährstoffüberschüsse
  • Staunässe
  • Trockenstress

Wer seine Flächen genau beobachtet, kann daraus wertvolle Hinweise für die Bewirtschaftung ableiten.

OFFENE DISKUSSION AUS DER PRAXIS

Der Boden-Stammtisch entwickelte sich rasch zu einem lebendigen Austausch. Viele Fragen konnten direkt während des Vortrags oder in der anschließenden Diskussion besprochen werden. Unter anderem ging es um Bodenkalkung und pH-Wert, Möglichkeiten und Grenzen von Bewässerung, Erosion – insbesondere auch das Phänomen der inneren Erosion und steigende Verdunstungsraten bei höheren Temperaturen. Der Austausch zeigte deutlich, dass das Thema Boden in der Region hohe Relevanz und großes Interesse hat.

Ein besonderer Dank gilt Ing. Norbert Ecker, Mitbegründer des Bodenkoffers, für seinen fundierten und gleichzeitig sehr praxisnahen Vortrag. Mit viel Erfahrung, anschaulichen Beispielen und einem offenen Ohr für Fragen aus der Praxis gelang es ihm, das Thema Boden für die Teilnehmer greifbar zu machen und neue Perspektiven auf die Bewirtschaftung unserer Böden zu eröffnen.

FORTSETZUNG DIREKT AM FELD

Die nächsten beiden Boden-Stammtische führen die Diskussion direkt aufs Feld. Dabei werden zwei ausgewiesene Fachfrauen ihr Wissen einbringen:

Die Veranstaltungsreihe wird bereits am 19. März 2026 mit dem 2. Boden-Stammtisch fortgesetzt – diesmal direkt am Feld der AGES-Versuchsflächen in Hagenberg. Dort gibt Dr.in Pia Euteneuer (BOKU Wien) Einblicke in das Forschungsprojekt SoilRise, das sich mit Bodenstruktur, Bodenleben und klimaangepasster Bewirtschaftung beschäftigt. Zum Auftakt stellt Michael Leitner, Leiter der AGES-Außenstelle Hagenberg, die Arbeit der Einrichtung und die Bedeutung der Versuchsflächen für Landwirtschaft und Forschung vor.

Am 22. April folgt der 3. Boden-Stammtisch mit DI Elisabeth Murauer, ebenfalls Mitbegründerin des Bodenkoffers und Mitarbeiterin der Boden.Wasser.Schutz.Beratung der LK OÖ. Dort berät sie landwirtschaftliche Betriebe zu Bodenschutz, Nährstoffmanagement und Gewässerschutz.

Dr.in Pia Euteneuer (BOKU Wien)
arbeitet u. a. im Forschungsprojekt SoilRise, das sich mit Bodenstruktur, Bodenleben und klimaangepasster Bewirtschaftung beschäftigt.

DI Elisabeth Murauer
von der Boden.Wasser.Schutz.Beratung der Landwirtschaftskammer OÖ berät landwirtschaftliche Betriebe zu Bodenschutz, Nährstoffmanagement und Gewässerschutz.

Gemeinsam werden sie zeigen, wie Forschung und landwirtschaftliche Praxis zusammenwirken können, um unsere Böden auch unter veränderten Klimabedingungen fruchtbar zu halten.

Der erste Boden-Stammtisch hat einmal mehr gezeigt:
Der Boden bleibt die wichtigste Ressource der Landwirtschaft.

Gerade in Zeiten zunehmender Trockenheit gilt:
Wer seinen Boden gut kennt und sorgfältig mit ihm arbeitet, schafft die beste Grundlage für stabile Erträge – heute und in Zukunft. 🌱