KLAR! am Feld: Boden verstehen im Klimawandel

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2. Boden-Stammtisch der Mühlviertler Alm Bauern & KLAR! Mühlviertler Alm

Nach dem erfolgreichen Auftakt im Wirtshaus führte der 2. Boden-Stammtisch, am 22. April 2026, direkt dorthin, wo sich entscheidet, wie unsere Böden funktionieren: aufs Feld. Gastgeber war Boden-Multiplikator Dominik Schmalzer in Schönau im Mühlkreis, wo gemeinsam mit DI Elisabeth Murauer (Boden.Wasser.Schutz.Beratung, LK OÖ) und Ing. Norbert Ecker praxisnah gearbeitet, beobachtet und diskutiert wurde.

Im Mittelpunkt stand diesmal ein neues Werkzeug: der Vanhoof-Profilspaten, der erstmals in der Region eingesetzt wurde. Mit gezielten Schlägen ermöglicht er einen ungestörten Auszug des Bodenprofils bis etwa 40 cm Tiefe. Im Vergleich zur klassischen Spatenprobe liefert er ein besonders klares Bild der Bodenschichten – von der Krume bis in den Unterboden. Genau dieser Blick „in die Tiefe“ ist entscheidend, um zu verstehen, wie Wasser gespeichert wird, wo Verdichtungen auftreten und wie gut Pflanzen tatsächlich wurzeln können. Zwei Standorte wurden dafür analysiert: ein Ackerstandort am Hügelrücken und ein Dauergrünland in einer Senke. Die Unterschiede waren deutlich sichtbar – und lieferten wertvolle Hinweise auf die jeweilige Bewirtschaftung. Anhand der Bodenprofile konnte Norbert Ecker detailliert erklären, wie Bodenstruktur, Durchwurzelung und Nutzung zusammenhängen und welche Auswirkungen unterschiedliche Bearbeitungsweisen haben.

Ein zentrales Thema war dabei die schonende Bodenbearbeitung. Ziel ist es, die natürlichen Bodenschichten möglichst wenig zu stören und vor allem die Bodenaggregate stabil zu halten. Unter stabilen Bodenaggregaten versteht man die natürliche Krümelstruktur des Bodens – also kleine, feste Einheiten aus Mineralteilchen, Humus und Bodenleben. Diese sorgen dafür, dass der Boden porös bleibt, Wasser aufnehmen und speichern kann und gleichzeitig gut durchlüftet ist. Werden diese Strukturen zerstört, verschlämmt der Boden schneller, Wasser versickert schlechter oder geht verloren.

Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels wurde deutlich: Nicht nur das „Wie“, sondern vor allem das „Wann“ der Bodenbearbeitung wird immer entscheidender. Durch verschobene Vegetationsperioden, unregelmäßige Niederschläge und längere Trockenphasen können sich bewährte Zeitfenster stark verändern. Besonders sensibel ist der Zeitraum rund um den Vegetationsstart, wo das Zusammenspiel von Bodentemperatur, Feuchte und Sonneneinstrahlung darüber entscheidet, ob eine Bearbeitung sinnvoll ist oder dem Boden schadet. Das klassische Erfahrungswissen stößt hier zunehmend an Grenzen – umso wichtiger sind Beobachtung, Erfahrungsaustausch und neue Werkzeuge.

Aufbauend auf dem ersten Boden-Stammtisch wurden auch die Methoden des Bodenkoffers direkt am Feld angewendet. Expertin Elisabeth Murauer legte einen starken Fokus auf folgende Tests:

  • Versickerungsring: er zeigt, wie schnell Wasser in den Boden eindringt – ein wichtiger Indikator für Verdichtung und Infiltrationsfähigkeit
  • Trübungsflasche: sie gibt Aufschluss über die Stabilität der Bodenaggregate und die Erosionsanfälligkeit
  • pH-Wert-Messung: Grundlage für Nährstoffverfügbarkeit und Bodenleben
  • Knöllchenprobe (bei Klee): sie zeigt die Stickstoffbindung durch Knöllchenbakterien
  • Beobachtung des Bodenlebens (z. B. Regenwürmer): sie sind wichtiger Hinweis auf die biologische Aktivität und Bodenfruchtbarkeit

Du hast noch nie vom Bodenkoffer gehört oder möchtest im Detail wissen, wie die einzelnen Test funktionieren? Dann informiere dich hier 👉 Bodenkoffer

Die direkte Anwendung am Feld machte deutlich, wie einfach und gleichzeitig aussagekräftig diese Methoden sind – und wie wichtig es ist, sie am eigenen Standort zu testen und zu interpretieren.
Ein wiederkehrendes Thema war die Bodenverdichtung, die häufig im B-Horizont auftritt – also genau dort, wo wichtige Wasserreserven für Trockenperioden gespeichert werden. Das oberste Ziel muss daher sein:

Die Feuchte im Boden halten.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Teilstufenbewirtschaftung angesprochen. Dabei werden Arbeitsschritte in der Bodenbearbeitung gezielt reduziert oder zeitlich entzerrt, um den Boden möglichst wenig zu belasten. Denn jede Region und jeder Landwirt hat mir unterschiedlichen Böden zu wirtschaften. Ziel ist es, Bodenruhephasen zu nutzen, die Struktur zu erhalten und Verdichtungen zu vermeiden. Neben den praktischen Übungen entwickelte sich ein intensiver fachlicher Austausch. Fragen zur Renaturierungsverordnung, zu Begrünungs- und Zwischenfruchtversuchen sowie zu angepassten Bewirtschaftungstechniken wurden ebenso diskutiert wie konkrete Erfahrungen aus den Betrieben. Gerade dieser Austausch auf Augenhöhe machte den Boden-Stammtisch besonders wertvoll.

Ein besonderer Dank gilt DI Elisabeth Murauer und Ing. Norbert Ecker für die fachlich fundierte und gleichzeitig sehr praxisnahe Begleitung des Nachmittags. Mit ihrer Erfahrung, den anschaulichen Erklärungen direkt am Feld und dem offenen Zugang zu Fragen aus der Praxis ist es ihnen gelungen, den Blick auf den Boden zu schärfen und Zusammenhänge greifbar zu machen. Ebenso bedanken wir uns bei Dominik Schmalzer für die Bereitstellung der Flächen und die Einblicke in die Bewirtschaftung vor Ort.

Der Boden-Stammtisch hat einmal mehr gezeigt: Wer seinen Boden versteht, kann gezielt darauf reagieren – und ihn auch unter veränderten Klimabedingungen nachhaltig bewirtschaften. 🌱

Aufgrund des großen Interesses wird es Ende Mai einen Ersatz- bzw. Folgetermin zum Thema geben – mit weiteren Einblicken und vertiefendem Austausch rund um unsere wichtigste Ressource: den Boden.